Mittelschule Auerbach i. d. Oberpfalz


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2003

Schulleben > Schüleraustausch

Zu Besuch in Oswiecim
(Text und Bild: Johannes Lindner)

Beim nunmehr zweiten Schüleraustausch verbrachte eine Gruppe von 22 Auerbacher Hauptschülern der 8. Klassen zusammen mit den Klassenleitern Johannes Lindner und Kathrin Daller als Begleitpersonen sechs Tage bei Gastfamilien in Oswiecim. Der Gegenbesuch der polnischen Schülerinnen und Schüler ist für Juni 2003 vorgesehen.

Am Montag, 30. September 2002, machte man sich um 5 Uhr von der Schule aus auf die zwölfstündige Fahrt. Im Gegensatz zum Vorjahr verliefen die Abfertigungen an der tschechischen und polnischen Grenze relativ reibungslos, so dass die Gruppe nach 750 Kilometer pünktlich ihr Ziel, das Gymnasium in Rajsko, erreichte. Dort warteten die polnischen Schülerinnen und Schüler ebenso gespannt auf ihre Gäste, wie umgekehrt. Schon seit geraumer Zeit konnte man die immer größer werdende Anspannung im Bus bemerken, je näher man dem Ziel kam. Der überaus herzliche Empfang durch die polnischen Partner und den Direktorinnen der beiden Gymnasien ließ die anfängliche Nervosität schnell weichen. Nach dem Abendessen diente der Rest des Tages dem Kennen lernen in den einzelnen Familien.

Polnische und deutsche Schülerinnen und Schüler auf der Treppe des Maximilian-Kolbe-Zentrums

Am Dienstag trafen sich alle Schülerinnen und Schüler im Gymnasium in Zaborze. Nach einer kurzen Besichtigung, die Schule wurde erst im Sommer 2002 eingeweiht, stand Sport auf dem Stundenplan. „In Polen wird von den Schülern im Sportunterricht mehr gefordert als bei uns. Das haben wir zu spüren bekommen“, meinte danach eine Schülerin. Beim gemeinsamen Mittagessen in der Grundschule in Rajsko mit dem Gemeindevorsteher und Vertretern des Kuratoriums überbrachten die Auerbacher neben Gastgeschenken auch musikalische Grüße in Form zweier Lieder, die man bei der langen Anreise im Bus noch kräftig geübt hatte.

Ganz im Gegensatz dazu stand der sich anschließende Besuch in den Gedenkstätten der ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz und Birkenau. Die Erschütterung über die Gräueltaten standen den jungen Menschen ins Gesicht geschrieben. Besonders schockierend wurden die hinter Glaswänden zur Schau gestellten abgeschnittenen Haare, Schuhe, Koffer, Taschen, Brillen und andere Habseligkeiten damals vergaster oder erschossener und verbrannten Menschen, empfunden. Eine Schülerin sagte dazu: “Wenn man bedenkt, dass wir Deutschen schuld an diesen schrecklichen Verbrechen sind, bekommt man doch ein schlechtes Gewissen.“

Einen sehr tiefen Eindruck hinterließ auch der Besuch im Kloster "Sanktuarium der Unbesiegbaren Liebe" (Zentrum von P. Maximilian Kolbe) in Oswiecim-Harmeze. In der dortigen Unterkirche ist eine Ausstellung von Marian Kolodziej zu sehen, der als Häftling Nr. 432 vom ersten bis zum letzten Tag des KZs dort leben musste. Nach 50 Jahre Schweigen schuf er Mitte der 90er Jahre die dort gezeigten Bilder. (we)

Die Besichtigung des Salzbergwerkes in Wieliczka, der bekanntesten touristischen Attraktion in Polen, stand am Mittwoch auf dem Programm. Zuerst hieß es 360 Stufen tief in das Stollensystem hinab zu steigen.
Auf der über 2,5 Kilometer langen und zweistündigen unterirdischen Wanderung kamen die Schüler durch riesige Kammern mit prachtvoller Auszimmerung, wunderschönen aus dem Steinsalz heraus gearbeiteten Kapellen und vielen aus dem Salz geformten Statuen, darunter Nikolaus Kopernikus und Wolfgang von Goethe. 

Der Nachmittag wurde in der Metropole Krakau verbracht. Über die Burg Wawel, dem Wahrzeichen der Stadt, gelangte die Gruppe in die Innenstadt, wo die Marienkirche mit dem gewaltigen Holzaltar von Veit Stoss, die Tuchhallen und der Marktplatz mit seinen Geschäften warteten.

In die deutsche Geschichte zurück führte am Donnerstag die Besichtigung des herrlich restaurierten Schlosses in Pszczyna, ehemals Pleß, in dem der deutsche Kaiser Wilhelm II. in den Jahren 1914 – 1917, während des Ersten Weltkrieges, residierte. Nach dem Besuch des benachbarten Freilichtmuseums und einer Rast im Park des Schlosses fuhr man zurück nach Oswiecim zur IJBS, der Internationalen Jugendbegegnungsstätte. Diese Begegnungsstätte soll ein Ort der Überwindung von Barrieren und Vorurteilen, der Reflexion und des Dialogs sein. Sie dient aber auch dem Spiel und der Erholung.

Danach brachte eine ehemalige Deutschlehrerin des Gymnasiums die Stadt Oswiecim den Schülern durch eine Stadtführung näher. Neben zweier riesiger Sporthallen, dem Marktplatz, der Maximilian-Kolbe-Kirche hinterließ die Besichtigung und die damit verbundene Geschichte einer Synagoge bleibende Eindrücke.

Das Abendessen wurde im „Art Burger“ auf dem neuen Parkplatz für das Staatliche Museum Auschwitz eingenommen. Dazu eingeladen hatte der Vorsitzende der Stiftung Fundacja Wioski Dzieciece „Maja“ in Rajsko, Janusz Marszalek.

Den Freitag gestalteten die Gastfamilien zusammen mit den Jugendlichen selbst. Erst am späten Nachmittag trafen sich alle wieder in der Schule in Zaborze zum Abendessen, zu Sketchen, zu Spiel und Tanz. Die Presse vor Ort nahm den letzten Abend in Oswiecim zu Interviews der jeweils polnischen und deutschen Partner wahr. Der Abschied, bereits am Vorabend der Rückreise, von den neu gewonnenen Freundinnen und Freunden fiel sichtlich schwer, denn viele weinten oder standen Tränen in den Augen.

Die Heimfahrt am Samstag traten die Jugendlichen mit der Gewissheit an, viele positive Eindrücke ihres Nachbarlandes gewonnen und eine überaus herzliche Aufnahme erfahren zu haben.

Wir freuten uns sehr ...
über den Besuch der polnischen Jugendlichen
vom 2. bis 7. Juni 2003 in Auerbach

Im Rahmen unseres Austauschprogramms besuchten uns in dieser Woche 22 Mädchen und Buben mit ihren Lehrkräften aus den Partnerschulen in Oswiecim. Die Zeit verging wieder viel zu schnell, denn wir hatten uns viel vorgenommen.

Montag, 2. Juni 2003 Witamy serdecznie!

Pünktlich um 19.00 Uhr trafen unsere Gäste nach ca. 12 Stunden Fahrzeit ein: Empfang der polnischen Schülerinnen und Schüler und ihrer Begleiter an und in der Schule - gemeinsames Abendessen in der Schule (mit 2. Bürgermeister Gsell, Mitgliedern des Elternbeirates, Rotary-Club, vielen Gasteltern, zahlreichen Lehrkräften usw.); anschließend Aufenthalt in den Gastfamilien.

Dienstag, 3. Juni 2003
Vormittags: Kennen lernen der Schule; Chor und „Orchester“ singen und spielen
10.00 Uhr Empfang im Rathaus bei 1. Bürgermeister Ott, anschließend Essen im Freibad auf Einladung des Bürgermeisters.
Nachmittags: wegen der großen Hitze ließen wir die „Stadt-Rallye“ ausfallen und besuchten zum Teil dafür das Auerbacher Freizeitbad, für das die polnischen Jugendlichen eine Wochen-Freikarte vom Bürgermeister erhalten hatten
ab ca. 16.00 Uhr Aufenthalt und Abendessen in den Familien

Mittwoch, 4. Juni 2003
Fahrt nach Nürnberg auf Einladung des Rotary-Clubs: Besichtigung von Burg, Lorenzkirche, Fußgängerzone usw., sowie der Bleistiftfabrik Lyra (mit Führung)
Rückfahrt durch die Fränkische Schweiz (Gößweinstein, Sommerrodelbahn usw.)
ab ca. 17.00 Uhr Aufenthalt und Abendessen in den Familien

Donnerstag, 5. Juni 2003

vormittags: Wanderung nach Michelfeld: Besichtigung der Asamkirche und der Regens–Wagner-Einrichtungen
nachmittags: Besonderer Schultag ab 14 Uhr: Essen in der Schule (Elternbeirat: Grillstand, Kaffee und Kuchen); Theater; ab ca. 20.30 Uhr Aufenthalt in den Familien

Freitag, 6. Juni 2003

vormittags: Fahrt nach Bayreuth mit Besichtigungen: Opernhaus, Festspielhaus, Neues Schloss, Eremitage, Urweltmuseum, Fußgängerzone usw.
gegen 16.00 Uhr Rückkehr in die Familien mit anschließendem Aufenthalt dort
18.00 Uhr Abendessen (Einladung durch Elternbeirat) in der Schule - Verabschiedung durch 3. Bürgermeister Lehner, den Rotary-Club, zahlreiche Gasteltern, Elternbeiratmitglieder, Lehrkräfte usw.; ab ca. 20.30 Uhr in den Familien
Samstag, 7. Juni 2003 Abreise unserer polnischen Freunde
Szczesliwej podrózy i do widzenia!

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